Caritas unplugged

caritasunplugged1Im Kontext eines zurzeit laufenden Entwicklungsprozesses hatten die zehn Caritas-Ortverbände zu einem Studientag über die künftige inhaltliche Ausrichtung der Verbände eingeladen. Unter dem Titel "Caritas unplugged – Was ist noch drin?" war das Verhältnis von Caritas zur Kirche diskutiert worden.

Die Caritas Ortsverbände erfahren einen vermehrten Zuspruch bei ihren Diensten und Hilfen. Gleichzeitig aber wächst der wirtschaftliche Druck denn die kirchlichen Veränderungsprozesse fordern die verbandliche Arbeit sehr. In Zukunft sollen die Verbände im Bistum Essen mit noch weniger Kirchensteuermitteln auskommen. Rund 100 TeilnehmerInnen der Ortscaritasverbände haben über die Zukunft der Verbandlichen Arbeit im Bistum Essen diskutiert.

In vielen Bistümern Deutschlands  finden derzeit „Neufindungen“ von Kirche und Caritas statt, so auch im Bistum Essen. Domkapitular Dr. Klaus Winterkamp präzisierte die Problematik auf folgende Weise: „Um gesellschaftliches Mitspracherecht zu behalten, braucht die Kirche institutionalisierte und professionelle Träger sozialer Arbeit. Die Frage ist nur, mit welchen Schwerpunkten und mit welcher inhaltlichen Ausrichtung.“ Winterkamp sieht Kirche und Caritas gleichermaßen von Zukunftsentwicklungen betroffen. Zudem ist er sich sicher, dass die Caritas Verbände sich „noch lokaler, dezentraler und vernetzter mit den Pfarreien und Gemeindestrukturen aufstellen müssen.“ Ferner appellierte er daran, dass nicht die Refinanzierungsmöglichkeiten den Rahmen und das Möglichmachen von Ideen und Projekte vorgeben dürfen, denn das behindere die Zukunftsarbeit und Vielfältigkeit der Projekte.  

Diözesan-Caritas Direktor Andreas Meiwes betonte vor dem Hintergrund der im Bistum Essen angekündigten Kürzungen der Kirchensteuerzuweisungen, dass die verbandliche Arbeit noch näher an die Menschen heran rücken müsse und als lokaler Ansprechpartner bleiben muss. Gleichzeitig es für die Verbände aber ebenso wichtig sei: „in größeren Räumen zu denken und ggf. Strukturen anzupassen.“

Der Essener Sozialdezernent Peter Renzel wies darauf hin, dass auch der immer größer werdende Wettbewerb mit den kleinen und privaten Anbietern weiter wachsen werde.

Dr. Andreas Trynogga, Sprecher der Ortscaritasverbände im Bistum Essen brachte es auf den Punkt und formulierte die Problematik folgender maßen: „Wie kann es gelingen weiterhin zu berühren und berührt zu sein, wenn Kirche sich einschränken muss?“ Er ist sich sicher, das geschieht nur mittels Veränderung vor der man keine Angst haben dürfe.  

Nach den Vorträgen und Podiumsdiskussionen konnten die 100 TeilnehmerInnen in Arbeitsgruppen die Diskussionen vertiefen. Zudem wurden hier Inhalte herausgearbeitet, die für die künftige Arbeit der Caritas unverzichtbar sind. Folgenden Themen stellten sich dabei als unverzichtbar raus: „Demographischer Wandel“, „Zuwanderung“, „Wachsende Armut“, „Vereinsamung“, „Inklusion“ und „Neuen Medien“.

Dr. Andreas Trynogga bezeichnete die Veranstaltung als „guten Auftakt“. Wie der nun angestoßene Zukunftsprozess weiterentwickelt und vertieft werden kann, dazu wird die Arbeitsgemeinschaft der Ortscaritasverbände im Bistum sich weiter beraten.