Ein Jahr Caritas-Flüchtlingsprojekt VIS(a)-VIS. Wir sagen danke!

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Vor rund einem Jahr startete die Caritas Mülheim mit dem Projekt VIS(a)-VIS, um ehrenamtliches Engagement in der Flüchtlingsarbeit zu koordinieren und fachlich zu begleiten. Mehr als 50 ehrenamtliche Mitarbeiter haben sich direkt zu Beginn gemeldet um das Projekt zu unterstützen. Viele Ideen wurden entwickelt, Projekte geplant. Jetzt fehlten nur noch die Kontakte zu den Flüchtlingen.

Zum damaligen Zeitpunkt war der größte Bedarf das Erlernen der deutschen Sprache. Ehrenamtliche Kurse waren eine gute Vorbereitung auf die zertifizierten Sprachkurse, welche die Caritas Mülheim in enger Kooperation mit der Katholischen Familienbildungsstätte Mülheim/Oberhausen in deren Räumlichkeiten durchführen konnte. Der erste Kontakt konnte Ängste oder Vorurteile auf Seiten der Ehrenamtlichen oder auch der Flüchtlinge abbauen. Man hat sich kennengelernt und voneinander erfahren, was der andere eigentlich möchte oder braucht. Es wurde schnell klar, dass geflüchtete Menschen nicht grundsätzlich unwissend oder hilfesuchend sind. Vielmehr benötigen sie oft nur kurze Hilfe beim Lesen und Verstehen von Briefen oder bei der Erstbegleitung zum Arzt oder zu Ämtern. Genau auf diese Bedarfe abgestimmt hat die Caritas die Ehrenamtlichen in den verschiedenen Bereichen wie Ämterbegleitung, Arztbegleitung, Wohnungssuche und Papierkram geschult und die ersten Einsätze vorbereitet. Bis zum Ende des Jahres konnte so schon über 90 Personen stadtweit geholfen werden.

Gleichzeitig hat die Stadt Mülheim die Koordination des ehrenamtlichen Engagements in den Unterkünften auf einzelne Träger bzw. Gruppen verteilt. Seitdem ist das Projekt VIS(a)-VIS verstärkt am Priesters Hof und in der Vereinstraße für die Koordination der Ehrenamtlichen zuständig. „Zunächst war es befremdlich für mich als junge Frau in eine Unterkunft voller Männer zu gehen und Kontakt aufzunehmen.“ so die ehrenamtliche Diana Tombergs. „Ich wurde jedoch offen, sehr höflich und respektvoll empfangen. Mittlerweile haben wir schon viele gemeinsame Freizeitaktionen mit den anderen Ehrenamtlichen durchgeführt und immer eine Menge Spaß gehabt.“

Vor allem das Jugendzentrum an der Tinkrathstraße war eine große Unterstützung, da sie ab Bezug der Unterkunft am Priesters Hof unentgeltlich Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben. So konnten Angebote in der Nähe der Unterkunft durchgeführt werden. Neben den Einzelfallhilfen wurden hier verschiedenste Freizeitaktionen geplant und zum Teil auch durchgeführt. Dies hatte allerdings nicht nur Befürworter. Die Projektkoordinatorin Hannah Berntgen: „Wir haben zu Beginn Kritik für Freizeitaktionen einstecken müssen. Worte wie „Flüchtlings-Bespassung“ oder ähnliches haben die Ehrenamtlichen sich vorwerfen lassen müssen. Gerade in der Unterkunft am Priesters Hof leben nur junge Männer zwischen 20 und 40 Jahren. Diese Altersgruppe hat ganz andere Schnittstellen zum Ehrenamt als Familien oder Frauen. Und zwar nicht nur auf Seiten der Geflüchteten. Um das ehrenamtliche Engagement auch bei jüngeren Menschen zu stärken oder auch zu wecken, benötigt man interessante Angebote auch für die Ehrenamtlichen. Wir können heute mit Sicherheit sagen, dass dieser Weg richtig war! Trotzdem haben wir immer im Blick, was Sinn macht und was nicht. Uns geht darum, die Möglichkeit der Begegnung und des Gesprächs zu schaffen. Freizeitpädagogische Angebote sind da nur ein Einstieg. Das Interessante kommt danach.“

Mittlerweile finden die verschiedensten Projekte statt, meist kanalisiert über den Ehrenamtlichen Jens Weymann, der für die jungen Männer mittlerweile so etwas wie der „Bürgermeister des Priesters Hof“ geworden ist. Der voll berufstätige Sozialarbeiter organisiert und terminiert ehrenamtlich die Ausflüge der Gruppen und achtet darauf, dass niemand aus dem Blickfeld rutscht. „Die Nachbarn und die Ehrenamtlichen möchten, dass das mit der Gemeinschaftsunterkunft weiterhin so gut läuft. Ich bin auch Heißener und froh, wenn ich dazu einen Beitrag leisten kann.“, so Jens Weymann bescheiden.

Die verschiedenen Angebote wie Ausflüge zur Müga, zum Schloss Broich, ins Freizeitbad, zum Schlittschuhlaufen oder gemeinsamen Barbecue, der Koch- sowie die verschiedenen Sprachkurse, der Malkurs und die vielen anderen Aktionen wären nicht nur ohne die Ehrenamtlichen undenkbar gewesen. Vieles hätte nicht stattfinden können ohne die großzügigen Spenden des Bischofsfonds, der Brenntag AG, der Sparkasse Mülheim und von Lichtblicke e.V.. Nur mit diesen Mitteln konnten Projekte finanziert werden, welche maßgeblich dazu beigetragen haben, dass diese eigentlich unerträgliche Situation für die Flüchtlinge einigermaßen auszuhalten ist und sie sich trotzdem als Teil Mülheims sehen. Das Interesse an der neuen Heimat ist groß und bei den Ehrenamtlichen sowie den Geflüchteten beliebt sind Gespräche über die Geschichte Mülheims, der Politik und der Gegend um Mülheim. Häufig lernen auch die Ehrenamtlichen noch etwas Neues über ihre Heimat.

Geflüchtete sitzen zum Teil seit über einem Jahr in einem Zimmer mit 8 fremden Menschen und haben bisher noch nicht einmal einen Asylantrag stellen dürfen. Sowohl die Stadt Mülheim, als auch die Ehrenamtlichen haben großen Einfluss darauf, dass die Frustration darüber nicht Überhand nimmt. Dass dies im Vergleich zu anderen Kommunen sehr gut funktioniert, zeigt das positive Miteinander der Politik, der Fachleute, der Ehrenamtlichen und natürlich der Geflüchteten.

„Das Resümee nach einem Jahr VIS(a)-VIS ist, dass wir neue Nachbarn und zum Teil sogar Freunde gefunden haben. Wir hören Geschichten, die einem das Herz zerreißen und können den Flüchtlingen ein wenig Last abnehmen. Einfach nur, indem wir da sind. Das ist ein wunderschönes Gefühl!“ so die ehrenamtliche Künstlerin Martina Hengsbach. Sie leitet den Malkurs und gibt hier den Teilnehmern die Möglichkeit, sich kreativ und nonverbal auszudrücken. Der Ehrenamtlichen Heide Dennisson ist vor allem die fachliche Begleitung wichtig: „Ich habe so viele positive Erfahrungen gemacht in der Zeit meines ehrenamtlichen Engagements. Trotzdem bin ich froh, dass wir bei der Caritas immer Ansprechpartner haben, denn häufig sind die Lebensgeschichten, die wir hier hören, sehr belastend. Ich finde es gut, dass es Fachleute gibt, die uns schulen und die vor allem während unserer Tätigkeit auf uns acht geben.“

Auch Hannah Berntgen ist als Projektkoordinatorin mehr als zufrieden über das erste Jahr des Projekts. „Uns war wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und wirklich nur da zu unterstützen, wo Hilfe notwendig war. Diese Theorie ist aufgegangen und wir sind froh, dass sich mittlerweile auch geflüchtete Menschen ehrenamtlich engagieren. Für die Zukunft planen werden wir nichts. Wenn ich eins im letzten Jahr gelernt habe, dann ist es, dass Krieg und somit Flüchtlingsströme nichts planbar machen. Wir möchten einfach weiterhin den Menschen offen begegnen und dankbar sein für alles was wir im Projekt an positiven Erfahrungen machen dürfen!“.

 

Wenn Sie mehr Informationen, spenden oder ehrenamtlich helfen möchten, finden Sie hier Infomationen:


Caritas-Sozialdienste e.V.
Fachdienst Kinder-, Jugend- und Familienhilfe
Projekt VIS(a)-VIS
Hannah Berntgen (Projektkoordination)
Hingbergstraße 176
45470 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208/30008-0
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